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Pilgern ... nicht nur nach Santiago de Compostela in Spanien
Wallfahrten zu heiligen und christlichen Orten

Was sind Jakobspilger

Danta Alighieri beschrieb die Jakobspilger in seiner Vita nuova wie folgt:
"Man nennt sie palmieri, weil sie über das Meer in ein Land reisen, aus dem sie oft einen Palmzweig mitbringen; man nennt sie peregrini, weil sie in das Haus in Galicien gehen, wo das Grab des Heiligen Jakob weiter von seiner Heimat entfernt liegt als das irgend eines anderen Apostels; man nennt sie romei, denn sie gehen nach Rom (...)"

Bereits in der Antike gab es in den christlichen Ländern das Reisen zu Heiligen Orten oder zum Lebensbereich "heiliger" Personen. Man eroffte sich von diesen Heiligen oder an diesen heiligen Orten die Hilfe in weltlichen Angelegenheiten. In anderen Worten: außerweltliche Mächte sollten Wunder im Sinne des Wortes bewirken. Man darf jedoch die Pilgerfahrt und die allgemeine Heiligenverehrung sowie deren konkrete Formen, etwa Reliquien, nicht vermengen. Sie unterscheiden sich unter dem Aspekt der Frömmigkeit nicht unerehblich. Selbstverständlich aber gehen die Grenzen ineinander über und die Entwicklung diese beiden Arten sind miteinander verbunden. Dennoch gibt es klar unterscheidbare äußere Merkmale und verschiedene Motive.

Pilgerschaft

Zunächst kann man die Pilgerschaft oder den "Pilgerstand" (status vitae oder viatoris) abgrenzen. Die Formulierung "Das Leben ist eine Pilgerfahrt" (vita est peregrinatio) kennzeichnet diesen Stand in der christlichen Anthropologie. Der homo viator sieht das irdische Sein lediglich ale eine Durchgangssituation zu seinem eigentlichen außerirdischen Ziel, zu Gott. Besonders die irischen und schottischen Wandermönche, die nach Mitteleuropa zum Missionieren kamen, führten ihr Leben anch diesem Ideal. Sie hatten keine Heimat, so, wie die frühen Mönchen des Ostens ihnen dies vorgemacht hatten. Cäsarius von Heisterbach (1180-1240) etwa, ordnete die Pilger, die sich auf den rituellen Weg nach Santiago de Compostela machten, einem geistlichem Stand zu. er nannte die Jakobus-Pilger "fratres". Auch noch im hohen Mittelalter bedeutete Pilgerschaft eine konkretisierte religiöse Haltung aus. Sie war nicht auf ein geografisches Ziel oder einen Weg bezogen.

Pilgerfahrt nach Jerusalem

Die Pilgerfahrt zu heiligen Stätten (peregrinatio ad loca sancta) bezeichnete zu den anfängen lediglich den frommen Besuch der heiligen Stätten des Lebens und des Leidens Christi in Palästina, insbesondere in Jerusalem. Die Pilgerfahrten nach Jerusalem begann erst unter Kaiser Konstantin ein. Im sechsten Jahrhundert erlebten sie ihre erste Blüte. Im frühen Mittelalter wurden die Pilgerfahrten ins Heilige Land als "Zeichen der Heiligkeit" angesehen. Folglich wurden sie nur von Geistlichen oder Adligen begangen.

Bußpilgerfahrten

Die Nachfolge der Pilgerfahrt zu heiligen Stätten nahmen im Mittelalter die Bußpilgerfahrten zu entfernten Plätzen mit Apostel- und Heiligengräbern ein. Das Pilgerwesen, so wie man es heute versteht und kennt, erlebte erst im 12. und 13. Jahrhundert seine volle Blüte. Es wurde zu einem europäischen Massenphänomen. Jetzt klassifizierte man Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela zzu Hauptpilgerstätten (peregrinationes maiores). Geht man von der Anzahl der Pilger und der Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung aus, so stand das Grab des heiligen Jakobus in Compostela in dieser Zeit an erster Stelle als Pilgerziel. Dante in Florenz bezeichnete im Jahr 1293 als eigentliche peregrini nur diejenigen, die ihre Heimat verließen, um Sankt Jakobus am Ende der alten Welt zu besuchen. Die Rompilger wurden von Dante romei, die Jerusalemfahrer palmieri genannt. Die mittelalterliche Pilgerfahrt war gemessen an der damaligen Bevölkerunszahl ein Massenphänomen.

Wallfahrt im weiten Sinn

Das Zusammenlaufen, also das Laufen in einer Gruppe Gleichgesinnter, der Concursus populi, zu Gräbern, Gnadenbildern oder Wunderkulten, zu Bittfeiern und Pflichtprozessionen, war lediglich Wallfahrt im weitesten Sinn. Es waren Erscheinungen im religiösen Alltag des Mittelalters. Keinesfalls wurde es als Wallfahrt angesehen.

Wallfahrt im engen Sinn

Wallfahrt hingegen war der außerordentlichen Besuch eines Heiligtums auf einer Wallfahrtsreise, um überirdischer Hilfe und Gnade zu erlangen. Wallfahrten prägten sich im Mittelalter aus; in der Barockzeit erfuhren sie auch die noch heutige Form als Besuch von Gnadenorten in der Nähe des Wohnortes
Wallfahrtsreise ist charakterisiert durch den Gang zu einem Wallfahrtsort. Dieser ist eine Gnadenstätte. Die Wallfahrt wird als Einzelperson, in einer Gruppe oder als Gemeinschaftswallfahrt unternommen. Eine Gemeinschaftswallfahrt ist eine Prozession institutionalisierter Gruppen als außerliturgischen, regelmäßig wiederkehrenden Gang. Zu nennen sind etwas eine Verlöbnis- oder Pflichtwallfahrten. Eine Wallfahrt ist nicht identisch mit der Pilgerfahrt. Die Pilgerfahrt ist im Gegensatz zur Wallfahrt eine Ausdruck der privaten Frömmigkeit.

Auf einer Wallfahrt werden kultischen Handlungen vorgenommen. Zu nennen sind Andacht und Gebet, aber auch Buße und Opfergaben sowie der Andenkenkultkult. Der Wallfahrtsort ist Stätte, wo das Kultobjekt verehrt wird. Kultobjekte sind etwa Reliquien von Heiligen oder Teile des Kreuzes oder Wunder wirkende Bilder, Gnadenbilder. Die Gnadenbilder bekamen mit der Zeit den Charakter von Reliquien. Sie waren etwas, das man durch Nähe und Berührung erleben konnte. Sie vermittelten die Wundertätigkeit des Heiligen.