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Wallfahrten zu heiligen und christlichen Orten

Tschenstochau

Tschenstochau, auf polnisch Czestochowa, liegt in der Provinz Schlesien im Süden von Polen. Von Warschau sind es ca. 200 Kilometer in südwestlicher Richtung nach Tschenstochau. Die Stadt ist der bedeutendste Wallfahrtsort Polens.

Die Wallfahrer besuchen das Paulinerkloster auf dem als Jasna Góra bekannten Hügel, zu deutsch Heller Hügel oder Klarenberg, der im Westen der Stadt liegt. Dort findet man die Klosterkirche, die einen barockem Innenraum hat. Angegliedert ist ein 106 m hoher Turm und eine Kapelle. In dieser Kapelle finden die Pilger die berühmten Ikone der Schwarzen Madonna. Hunderttausende Pilger kommen an hohen kirchlichen Festen zum Kloster.
Sie stimmen dann das Lied Schwarze Madonna an. Im Jahr 1991 fand in Tschenstochau der Weltjugendtag mit Papst Johannes Paul II. statt.

Geschichte von Tschenstochau

Der Überlieferung nach wurde das berühmte Gnadenbild der Schwarzen Madonna vom heiligen Lukas, dem Evangelisten, auf dem Tisch des Hauses in Nazareth gemalt. Später soll Kaiser Konstantin das Bild aus Jerusalem nach Konstantinopel gebracht und in eine Kirche aufgestell haben. Der Fürst von Ruthenien, Lev, brachte das Gnadenbild nach Polen. Die Ikone wurde zunächst in Belz verborgen und im Jahr 1382 von Ladislaus von Oppeln wiederentdeckt. Ladislaus siehte über seine Feinde. Er glaubte, diese der Mutter Gottes zu verdanken. Deshalb brachte er das Bild nach Tschenstochau mit und übergab es dem Orden der Pauliner. Urkundlich bestätigt ist diese Übergabe in dem Manuskript der "Translatio tabulae". In Archiv von Jasna Gora hat man zwar nicht das Original, sondern eine handschriftliche Kopie aus dem Jahre 1474. 1430 profanierten die Hussiten das Bild und stachen mit einem Säbel darauf ein; es konnte nicht beschädigt werden. 1717 lies Papst Klemens XI. es in einer großen Feier krönen. Seither verehren die Menschen Unsere Liebe Frau von Tschenstochau als Patronin Polens.

Im Jahr 1655 wurde das Kloster Jasna Gora erfolgreich gegen die Belagerer, die Schweden, verteidigt. König Jan II. Kasimir erhob am 1. April 1656 die Matka Boska, die Muttergottes von Tschenstochau, zur Königin von Polen. Das war der Beginn einer bisher nie dagewesenen Verehrung für das Marienbild von Jasna Gora. Die Ikone wurde zum Symbol der Einheit und Freiheit Polens, nicht nur gegen die Potestanten aus Schweden, sondern später auch gegen die Preußen, Russen und Deutschen.

Neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zufolge ist das Bild ursprünglich eine aus dem 6.-9. Jh. stammende byzantinische Ikone vom Typ der Hodigetria, was "die den Weg weist" bedeutet.

Marienweihe von Tschenstochau - Königin von Polen

Am 8. September 1946 wurde die Marienweihe in Tschenstochau durch Primas August Kardinal Hlond wieder eingeführt. König Jan II. Kasimir 1656 in Lemberg hatte sie für sein Volk getätigt. Im Jahr 1956 bestätigte das polnische Episkopat mit dem Vorsitzenden Primas Stefan Kardinal Wyszynski in Gemeinschaft mit dem ganzen katholischen Volk Maria in Tschenstochau als Königin von Polen. Man spricht heute von der "Weihe vom hellen Berg" (Slubowania Jasnogórskie). In dieser Weihe übernahm das polnische Volk die Verpflichtung zu einer von christlicher Nächstenliebe bestimmten Lebensführung.
Die Menschen gelobten:
"Große Mutter des Gottmenschen! Jungfräuliche Gottesgebärerin, von Gott verherrlichte Maria! Königin der Welt und Königin Polens! Drei Jahrhunderte sind vergangen, seit jenem frohen Tag, an dem Du Königin von Polen wurdest. Nun stehen wir, die Kinder des Polnischen Volkes und Deine Kinder, Blut vom Blute unserer Vorfahren, erneut vor Dir, erfüllt von den selben Gefühlen der Liebe, der Treue und der Hoffnung, die einst unsere Väter erfüllten. Wir, die polnischen Bischöfe und das königliche Priestertum, das Volk, das mit dem heilbringenden Blut Deines Sohnes erkauft wurde, können zu Dir, Maria, erneut zu Deinem Thron, o Vermittlerin aller Gnaden, Mutter der Barmherzigkeit und allen Trostes. […] Mutter der göttlichen Gnade! Wir versprechen, in jeder polnischen Seele das Geschenk der Quelle des göttlichen Lebens zu bewahren. Wir wollen, dass jeder von uns in der heilmachenden Gnade lebe und ein Tempel Gottes sei; dass das ganze Volk frei von schwerer Sünde lebe; dass es das Haus Gottes und die Pforte des Himmels für alle Generationen werde, die je über die polnische Erde wandern werden, angeführt durch die katholische Kirche, ins ewige Vaterland."

Das Volk antwortete: "Königin von Polen, wir versprechen es! […] Wir versprechen, die junge Generation in der Treue zu Christus zu erziehen, sie vor der Gottlosigkeit und der Verderbnis zu bewahren und sie mit wachsamer elterlicher Liebe zu umgeben. Das Volk antwortet: Königin von Polen, wir versprechen es!"

Die schwarze Madonna

Das Bild der Schwarzen Madonna steht in einem Altar. Dieser wurde im Jahre 1650 gestiftet, und zwar vom Kanzler der Krone, Ossolinski. Er wurde im Barockstil aus mit Ebenholzplatten überzogenem Eichenholz hergestellt. Die Abdeckung besteht aus getriebenem Blech. Sie wurde 1673 von der Familie Dzialynski gestiftet. Auf ihr sieht man die unbefleckte Empfängnis. Um das Gnadenbild selbst sieht man folgende Bildsequenzen: die Verkündigung an Maria, die Geburt Jesu, die Geißelung und Verspottung Jesu, und die heilige Barbara und ein Turm.

Schon sehr früh ging man dazu über, das Madonnenbild mit Kleidern zu verzieren. Anfangs nagelte man diese auf das auf Zedernholz gemalte Bild. Die aktuell verwendeten Kleider sind etwa ein Diamenten- und ein Rubinkleid. Man kann sie abnehmen ohne das Bild in Mitleidenschaft zu ziehen. Die aktuellen Kronen stiftete Papst Pius X. am 22. Mai 1910. Zuvor hatte im Oktober 1909 ein unbekannter Dieb die alten Kronen entwendet. Die schwarze Madonna besitzt seit dem 3. Mai 1926 als Königin von Polen einen Zepter sowie einen Reichsapfel. Das sindVotivgeschenke der polnischen Frauen. Auf dem Zepter ist zu lesen: "Mutter, Königin der polnischen Krone! Wir, die polnischen Frauen, bringen Dir dieses Szepter als Symbol der Macht dar. Regiere uns! Mögen die drei evangelischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe Dein Volk zur Ehre führen." Auf dem Reichsapfel ist zu lesen: "Königin der polnischen Krone -- Beschütze Dein Königreich!" Diese Votivgaben auf der linken Seite der Schwarzen Madonna. Auf der anderen seite kann man die von Papst Paul VI. gestiftete goldene Rose bewundern.